
Wirkt sich ein Gewichtsverlust auch auf die Intelligenz aus? Brasilianische Forscher haben eben das in einer Studie an adipösen Frauen untersucht. Bisher wurde davon ausgegangen, dass starkes Übergewicht Auswirkung auf die Gedächtnisleistung hat. So sollen bereits Übergewichtige mit einer um 26% größeren Wahrscheinlichkeit an Demenz erkranken, bei stark Übergewichtigen (adipös) soll das Risiko um 64% größer sein. Doch gilt auch das Gegenteil? Steigt die Gedächtnisleistung, wenn das Gewicht wieder fällt?
Ausgangslage vor dem Gewichtsverlust
Es wurden 17 Frauen mit einem BMI (Body Mass Index) von 50 untersucht. Ein BMI von 50 bedeutet ein Gewicht von ca. 130 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,60m. Die 17 Frauen gehörten zu einer Testgruppe, die sich einer Magenverkleinerung unterziehen wollten. Durch die Magenverkleinerung sinkt in Folge die Anzahl der konsumierten Kalorien und es kommt zu einem Gewichtsverlust.
Vor der Operation mussten die Teinehmerinnen einen Intelligenztest und sechs weitere Tests durchlaufen, um wichtige Gehirnfunktionen zu überprüfen (unter anderem der “Stroop Color Test”, der “Wisconsin Card Sorting Test”, der” Trail Making Test” und der “Rey Complex Figure Test”). Sechs Monate nach der Operations erfolgte eine erneute Testreihe.
Als Kontrollgruppe dienten 16 schlanke Frauen in einem ähnlichen Alter und mit gleichem Bildungsgrad. Ihr Body Mass Index lag im Durchschnitt bei 22,3.

Testergebnisse nach dem Gewichtsverlust
Bei den kognitiven Tests waren keine nennenswerten Unterschiede zwischen adipösen und schlanken Frauen zu verzeichnen. Lediglich beim “Trail Making Test” konnten die adipösen Frauen sechs Monate nach dem Test im Vergleich zu vor der Operation Verbesserungen aufweisen.
Der “Trail Making Test” hat sich als Indikator für Leistungsdefizite in Folge von Hirnschäden bewährt. Er besteht aus zwei Teilen.
“Im Teil A müssen die auf einer DIN-A-4-Seite verstreuten Zahlen von 1 bis 25 so schnell wie möglich in der richtigen Reihenfolge mit einem Bleistift verbunden werden. Im Teil B wird die Aufgabe dadurch um eine Arbeitsgedächtniskomponente erweitert, dass abwechselnd Zahlen und Buchstaben in der natürlichen Reihenfolge (von 1 nach A, nach 2, nach B, usw. bis zur Zahl 13) verbunden werden müssen” (Quelle: “Trail Making Tests A und B“, unimuenchen.de).
Die Unterschiede in den Gehirn-Scans waren hingegen ausgeprägter. Vor dem Gewichtsverlust schienen die Gehirne der adipösen Testgruppe “härter” arbeiten zu müssen. Das galt vor allem für bestimmte Areale in der rechten Gehirnhälfte, die aktiviert werden, um Gedächtnisschwund zu kompensieren.
Darüber hinaus sank mit dem Gewichtsverlust auch der Blutspiegel bestimmter Proteine, die für hohe Entzündungswerte verantwortlich gemacht werden. Zudem konnte eine deutliche Verbesserung der Insulinsensibilität festgestellt werden. Für die Forscher der “University of São Paulo” stand damit fest, dass starkes Übergewicht das Risiko für Alzheimer und ähnliche Krankheitsbilder erhöht. Die gute Nachricht ist, dass sich der Prozess umkehren lässt.
Gewichtverlust und Gedächtnisleistung, mein Fazit:
Aus Sicht eines medizinischen Laien begegne ich solchen Studienergebnissen immer mit Zurückhaltung. Weder lassen sich Studienaufbau und Studienqualität sachgemäß beurteilen, noch weiß ich, ob die Deutung der Ergebnisse immer richtig ist. Sicherlich muss hinterfragt werden, ob die Folgerungen allgemeine Gültigkeit besitzen oder nur eine isolierte Wahrheit darstellen. Spannend ist es aber allemal zu verfolgen, mit welchen vielfältigen wissenschaftlichen Ansätzen dem Thema Ernährung begegnet wird.
Für mich steht außer Frage, dass eine gesunde Ernährung in Verbindung mit Bewegung und einem nachhaltigen Lebensstil zukunftsweisend ist. Dabei kommt es sicherlich nicht auf das ein oder andere Kilogramm Übergewicht an.
Quellen
- “Lose weight to gain brain power? Study says it may work“, latimes.com, 26. August 2014
- “Changes in Neuropsychological Tests and Brain Metabolism After Bariatric Surgery“, endocrine.org, 26. August 2014
- “Trail Making Tests A und B“, unimuenchen.de
- “Trail Making Test“, wikipedia.de
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